Veröffentlicht in Sansibär

Gestatten – Sansibär

Sansibär – die Laborratte

Ich stelle mich erst einmal vor. Ich heiße Sansibär … Ich ahne, das klingt für euch nach Meer, Südsee, Abenteuer, Piraten, starkem Typ! Da muss ich euch enttäuschen. Ich bin im Moment angestellt in einem Labor, Laborratte nennt man das! Kann sein, dass irgendein Vorfahre mal als Schiffsratte auf einem Piratenschiff angeheuerte.
Ich habe in den Erinnerungen geforscht, und möchte ein wenig darüber berichten.
Das Erste, an was ich mich erinnere, ist die Wärme des Bauches meiner Mutter.
Das entspannte Gefühl von Geborgenheit. Auch die Stupser, die mir die Brüder und Schwestern mit den Nasen verpassten, wenn ich ihnen bei der Suche nach der Milchquelle im Weg lag, sind mir in Erinnerung geblieben. Gesättigt waren wir ein Herz und eine Seele.
Die Hängematte, in der tobten wir. Wir versuchten einander, uns über den Rand zu schubsen. Mich hat es einige Male erwischt. Plumps, lag ich auf dem Boden. Ein bisschen Schütteln, und weiter ging das wilde Spiel.
Dann diese dunklen Löcher, in die wir hineinschlüpfen konnten. Ein sagenhaftes Versteck. Gruselig und spaßig zugleich schien der Weg bis zum Licht am Ende. Immer wieder huschten wir an anderen Stellen des Spielplatzes aus der Röhre heraus. Das wurde nie langweilig. Wir suchten stürmisch den Weg zurück, um dem nächsten schwarzen Eingang sein Geheimnis zu entlocken.
Mama schaute dem Treiben vom Dach der Hütte zu. Sie passte auf, dass uns nichts geschah. An einigen der so spannend aussehenden Spielzeuge könnten wir uns wehtun, hatte sie uns mal erzählt.
Da wir wußten, dass sie über uns wachte, machten wir uns keine Sorgen und tobten unbeschwert durch die Gegend.
Ach ja, das war eine schöne Zeit. Herumzutollen mit den Brüdern und Schwestern.
Was wohl aus ihnen geworden ist?

Ich wurde leider zu früh aus dem trauten Kreis der Familie gerissen. Eines Tages kamen zwei Männer in weißen Kittel zu uns und beobachteten unser Treiben. Sie zeigten auf mich und drei meiner Geschwister.
»Der, der , der auch und vor allem dieser Bursche. Die sind schnell, und neugieriger als der Rest. Die nehmen wir mit. Den Kleinen mit dem grauen Fleck auf dem Rücken, den hole ich zu mir.«

Ich fand mich in einem riesigen Raum wieder. Alleine in meinem Käfig und einsam.
Ein netter Mann gab mir zu essen und sprach mit ruhiger Stimme zu mir.
»Hallo, possierlicher Kerl. Sieh dich um! Hier ist es wie daheim. Spielplätze wohin du schaust. Da wird es dir bestimmt nicht langweilig. Ich knipse jetzt das Licht aus, bis morgen.«

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Frust am Arbeitsplatz

Jetzt habe ich euch lange alleine gelassen. 🙁
Ich darf wieder an den Rechner. Mal schaun, wie lange das hält.

Hier mein neuestes Erlebnis.
Er setzte mich auf die Schulter und trottete mit mir zu seinem Arbeitsplatz. Dort starrte er lange auf die Wand.
»Was ist mit dir?«
»Mir fällt nichts mehr ein, mein Kopf ist leer!«
»Dafür bin ich der falsche Partner. Was ihr Menschen Liebe nennt, ist uns fremd.«
Er lächelte und strich mir sanft über den Hals. »Deine Nähe hilft , mit dir zu sprechen, tut gut.«
»Warum hast du mich nicht geholt?«
Schon Wochen kam er nur zu mir, um Futter zu bringen, oder den Käfig sauber zumachen. Verstehe eine Ratte die Spezies Mensch.
»Entschuldige, dass ich dich vernachlässigt habe, mein kleiner Freund. Die Arbeit am Buch fesselte mich. Zufrieden verliebte ich mich in die Worte. Jetzt denke ich, das Thema liegt mir nicht.«
»Du solltest nicht von etwas schreiben, das dir so lange fremd ist. Bei uns Ratten geht es da um die nächste Generation der Art. Bei euch Menschen um Spaß und den Wunsch, jemanden für immer um sich zu haben. Warum bist du alleine?« Mein Meister drehte den Kopf zu mir. Er zuckte mit den Schultern. Ich krallte mich fest, um nicht herunter zufallen.
»Ich habe dich, dann schreibe ich Deine Geschichte.«
Ich schnupperte an seinem Hals, er meinte das ernst. »Die kennst du nicht. Ich erzähle sie dir aber gerne.«
Dann bin ich ab jetzt Ghostwriter, mein Bärchen.«
Ich hatte mit ihm den Film Casper angesehen. So wusste ich, was ein Geist ist.
»Bitte werde kein weißer Tropfen, der durch Wände schwebt und mich erschreckt!«