Zeig deine Angst

Thriller

Sie wollte nur am Kanal Joggen gehen. – Dann liegt sie da und muss unendliche Schmerzen erleiden, bevor Er ihr Leben beendet.

 

Maren Ballhaus und Jens Lohengrin jagen einen blutrünstigen Killer.
Der scheint sich am Schmerz seiner Opfer zu ergötzen. Blutig, aber ohne Spuren, hinterlässt er die Tatorte. Die Ermittler greifen nach jedem Strohhalm, um den Kerl endlich zu schnappen.
Die Auswertung der Daten einer Geschwindigkeitskontrolle aus der Nähe des ersten Tatorts weckt das Bauchgefühl des Kommissars.

 

Leseprobe:

Fünf Uhr früh, mit einer in den Jahren einstudierten Bewegung der linken Hand teilte Anne Ziegler ihrem Wecker mit, dass sie ihn gehört hatte. Dann dreht sie sich noch einmal auf die Seite und kuschelte sich in die Decke ein.
Wollte sie heute wirklich joggen gehen?
Ja, raus aus den Federn.
Den inneren Schweinehund überwindend streckt sie die Arme nach oben, gähnte, und pellte sich stöhnend aus der Bettdecke. In der Küche stellte sie die Kaffeemaschine an, bevor sie sich im Bad die Zähne putzte und eine Handvoll Wasser ins Gesicht schaufelte.
Den Sport-BH hatte sie im Schlafzimmer schon bereitgelegt, sie zog ein T-Shirt drüber und schlüpfte in die Leggins. Jetzt noch schnell einen Kaffee, dann konnte sie zu ihrer morgendlichen Laufstrecke am Kanal fahren. Dort war es um die Zeit immer einsam und sie konnte die Stille des Morgens genießen. Nur selten kam ihr ein Spaziergänger entgegen.
Sie schenkte sich den Becher voll, ein paar Tropfen Sahne dazu, und setzte sich an den Küchentisch. Lächelnd pustete sie auf den Kaffee und freute sich über die Sahnewolke in der Tasse.

Nach der Joggingtour würde sie kurz unter die Dusche springen. Spätestens um neun stand Andrea vor der Tür. Mit ihr, die zwei Häuser weiter wohnte, arbeitete sie zusammen. Der Tag heute war kein Tag wie jeder andere. Am Abend wollten sie ins Kino gehen. Den Spaß gönnte sie sich nicht so oft.
Mit Anne hatte sie eine Fahrgemeinschaft, sie fuhren morgens zusammen zur Praxis. Diese Woche waren sie mit der späten Schicht dran. Das Zentrum für Physiotherapie hatte abends bis sieben geöffnet.
Sie freute sich schon auf ihren ersten Patienten. – Doktor Weinstein, ein lieber alter Mann, der nach einer Hüft-OP ihre Hilfe brauchte. – Sie hörte ihm gerne zu, wenn er so bildhaft Geschichten aus seiner Zeit als Kinderarzt erzählte. Sie fühlte sich dem alten Knaben dann so verbunden.
Egal – zwanzig nach fünf, Abflug. Sie trank den Becher aus, stellte ihn in die Spüle und zog sich im Flur die Turnschuhe an. Von der Anrichte griff sie sich den Bauchgurt, steckte das Handy und ihre Papiere in die Tasche im Gurt und legte ihn sich um. So hatte sie beim Laufen alles bei sich, ohne dass es störte. Dann verließ sie die Wohnung, schloss die Tür ab und eilte zu ihrem Panda, der am Straßenrand parkte.

In der ersten Parkbucht vor dem Kanal stellte sie das Auto ab und stieg aus. Vor dem Wagen raffte sie sich zu einigen Dehnübungen auf, bevor sie den Pfad zum Uferweg hochlief. – Warm werden, eine Zerrung konnte sie sich im Moment nicht leisten. – In den letzten Wochen hatte sie sich ihren Lauf eingeteilt. Von hier bis zur Brücke war es eine Strecke von einem Kilometer. Es reichte ihr der Weg hin und zurück, um für den Tag fit zu werden und einen klaren Kopf zu bekommen. Monoton lief sie ihren Trott und kam dem Wendepunkt immer näher. Sie war allein, weit und breit sah sie keine Menschenseele. Nur zwei Möwen standen auf dem Weg vor ihr und flogen kreischend auf, als sie ihnen zu nahe kam.
Sie grinste. Das war das erste laute Geräusch, heute hier in der Frühe. Am Ende der Unterführung, wo hinter einem Busch der Pfad hoch zur Straße begann, wollte sie gerade umdrehen, als von rechts etwas auf sie zuschoss. Ein Schmerz am Oberarm – ein Knistern – Stille – Dunkelheit.

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