Coverpuzzle

Zum “Zweiten Advent” präsentiere ich euch mein Cover.

Ihr dürft etwas spielen. 😎 😀 😆
Viel Spaß dabei

Nur eine Geschichte

Der Krimi

Es ist noch früh am Morgen. Ich sitze auf dem Balkon am Rechner. Hier habe ich mir bei dem schönen Wetter der letzten Tage meinen Schreibtisch eingerichtet. In der Küche röchelt die Kaffeemaschine. Schmunzelnd erhebe ich mich und trotte durchs Wohnzimmer. Jetzt eine Tasse Kaffee mit einem Schuss Milch. Der belebt den Geist, vielleicht fällt mir so die Entwirrung des Knotens im Kopf leichter. Die Geschichte muss doch weitergehen. Zurück am Computer gönne ich mir einen großen Schluck und parke den Kaffee auf der Fensterbank. Hier liegen alle Zettel, die ich glaube, zum Schreiben zu benötigen. Weiter geholfen haben die mir bis lang nicht.
Plötzlich verdunkelt sich der Himmel. Ein kräftiger Wind zieht auf. In der Ferne ist das Grummeln eines Gewitters zu hören. Es wird frisch.
Ich eile ins Schlafzimmer, um mir eine Jeans über die Boxershorts zu streifen. Im Schrank suche ich nach einem passenden Hemd. Noch ein liebevoller Blick zum Bett. Unter der dünnen Sommerdecke ist ihr graziler Körper nur zu erahnen. Einzig die Nase und das seidige blonde Haar trauen sich auf dem Kissen ans Licht. Zärtlich bekommt sie einen sanften Kuss aufs Näschen, dann verschwinde ich geräuschlos aus dem Zimmer.

Die Arbeit ruft. Der Kontoauszug auf der Kommode erinnert mich grausam daran. Ich muss den Roman endlich zu einem gelungenen Ende bringen.
Am Schreibtisch auf dem Balkon angekommen ist mein erster Griff der zur Kaffeetasse. Ein Schluck des warmen Gebräus, einmal tief durchatmen!
Ich setze mich zurück an den Rechner und lasse, wie zum Üben, die Finger über der Tastatur kreisen.
Der Himmel hat sich weiter verdunkelt, und im Süden sind in der Ferne immer wieder Blitze zu sehen. Das Grummeln des Donners und das Rauschen der Blätter im Wind untermalen die Vogelstimmen mystisch. Es erinnert mich an »Die Vögel« von Alfred Hitchcock.
Ich wende meine Aufmerksamkeit dem Text auf dem Monitor zu. Wie bekomme ich die Kurve? Irgendwie soll Kommissar Köhler die vor ihm liegenden Indizien zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Und es muss für die Leser glaubhaft sein!

Ein grelles Licht, und kurz danach ein laut krachender Donner, reißen mich aus der Konzentration. »Verdammt, das ist aber nah gewesen,« denke ich. Prüfend schaue ich mich um. Nichts zu entdecken. Von Westen her klart es auch wieder auf. Nur ein Sommergewitter.

Irgendwie hat dieser Blitz meine Kreativität neu sortiert. Eine Kerze leuchtet da oben warm in der Denkzentrale. Alles wird scheinbar neu gemischt, und eine Idee bekommt immer klarere Züge. Warum bin ich da nicht schon eher drauf gekommen? Lang und ausgiebig habe ich das Wandtattoo im Wohnzimmer des Opfers beschrieben. Kommissar Köhler es intensiv betrachten lassen. Zusammen mit dem Nagellack im Spiegelschrank des Junggesellen sollte er langsam die richtigen Schlüsse ziehen.
Erneut wird mein Gedankenfluss unterbrochen. In der Nähe beginnt eine Sirene mit lautem Geheule. Da muss scheinbar die Feuerwehr ausrücken. Der Blitz vorhin hat wohl doch eingeschlagen. Wieder ein Haus ohne Blitzableiter. Hoffentlich ist keinem etwas geschehen. Aus der Ferne ist schon das »Tatü Tata« der Einsatzfahrzeuge zu vernehmen.
Die Sirene hat ihre Pflicht erfüllt, und ich besinne mich meiner. Ein Griff zur Kaffeetasse – leer. Soll ich mir noch einen gönnen? Nein! Ich brauche jetzt ein Glas mit kaltem Inhalt. Mit der Tasse im Gepäck schlendere ich in die Küche. Im Kühlschrank forsche ich nach Möglichkeiten. Die Cola lächelt mich an. Ich schenke mir ein und höre eine Tür zuschlagen.
Die Müdigkeit noch im Gesicht zu lesen schlurft sie im Nachthemd herein. »Du bist aber schon früh auf!« Im Halbschlaf greift sie mit einer Hand zur Kaffeekanne. In der anderen hält sie ein Bilderbuch. »Das habe ich unten im Kleiderschrank gefunden. Wieso liegt diese süße Schildkröte da so vergraben?«
Ich küsse sie sanft auf die Wange.
»Das sollte ein Geschenk für die kleine Tochter einer Freundin sein. Sie liebt die Tierchen. Bin irgendwie nicht mehr dazu gekommen, es ihr zu geben.«
Sie schaut mich zweifelnd mit ihren wunderschönen Augen an. Sie zuckt mit den Schultern und wendet sich ab. Beim Gehen murmelt sie, »ich mache mich jetzt frisch. Nehme nachher den Bus zur Arbeit. Dann hast du das Auto. Fahr zur Bank und kläre das mit dem Konto!«
So schnell wird man wieder auf den Boden der Tatsachen befördert. Wenn wir die Frauen nicht hätten.

Ich liebe dich

Ich liebe Dich © Dietmar Hesse

»Womit habe ich ein Zauberwesen wie Dich nur verdient?«
»Du stelltest mir vor zwei Jahren die richtige Frage.« Miriam strahlte übers ganze Gesicht.
»Du hast ja gesagt, es eben vor allen im Gottesdienst wiederholt und mich zum glücklichsten Menschen im Universum gemacht. Wir gehören zusammen.«
Stolz entließen wir vor der Kirche den Luftballon in den Himmel, an dessen Schnur die Karte mit den großen Wünschen für gemeinsames Glück hing.
Die Feier mit Freunden sollte ein Vorschuss auf die vielen wunderbaren Momente sein, die wir von der Zukunft erträumten.
Zum Höhepunkt des Abends sang die Dame auf der Bühne mit der Federboa und dem zauberhaften Kleid unseren Song. Wir tanzten dazu, lachten aus vollem Herzen und schwebten im siebenten Himmel.
Alle Gäste waren schon gegangen, als wir den Saal verließen. Das Schneegestöber der letzten Tage hatte aufgehört, bei fünf Grad unter null zitterten wir um die Wette. Ich legte mein Jackett um ihre Schultern, der Sternenhimmel funkelt berauschend nur für uns.
Für die Buchung der Hochzeitsreise gingen wir in ein Reisebüro. Zwei Wochen Hawaii, den Surfern zuschauen und die Sonne genießen. Doch bevor wir in den Flieger steigen konnten, schlug das Monster Krankheit unerbittlich zu. Zuerst war es nur ein Druckgefühl an ihrer Wirbelsäule, dann klagte Miriam darüber, ihre Füße nicht mehr zu Spüren. Wir schalteten den Hausarzt ein, der meine Frau sofort ins Krankenhaus überwies.
Jetzt sitze ich schon eine Stunde hier vor dem Untersuchungsraum. Die Sorge um Miriam wird immer größer.
Eine Krankenschwester öffnet die Tür und schiebt sie im Rollstuhl zu mir. Sie begegnet dem fragenden Blick mit einer Mauer aus Schweigen. Ein Arzt nimmt mich zur Seite.
»Ein Geschwür an einer unglücklichen Stelle zwischen zwei Wirbeln drückt auf die Nerven, das ist der Grund, warum Ihre Frau die Beine nicht mehr spürt.«
»Ist sie gelähmt? Nennen Sie es doch beim Namen!«
»Nun mal langsam, wir haben morgen noch einige Untersuchungen durchzuführen. Erst dann können wir Genaues sagen. Lassen Sie ihr die Zeit, das zu verarbeiten.«
»Was geschieht nun? Meine Erfahrungswerte bezüglich dieser Situation sind gleich null.«
»Nehmen Sie sie mit nach Hause, sie muss sich ausruhen und braucht Sie jetzt.«
»Ich verstehe, ich kümmere mich um sie.«
»Morgen um neun sehen wir uns hier, bitte seien Sie pünktlich.«

Daheim angekommen trage ich sie zum Bett und decke sie mit ihrer Fleecedecke zu. Ihr Blick ist starr nach oben gerichtet.
»Darf ich etwas für Dich tun? Hast Du Hunger? Ich könnte Dir deine heiß geliebten Tortellini zubereiten.«
Miriam bleibt stumm. Ich bin verzweifelt. Die Türklingel lässt mich aufschrecken und der Lampenschirm der Nachttischlampe geht dabei zu Bruch. Wer will jetzt was von uns? Der Paketbote bringt ihr ein Päckchen, auf dass Miriam schon wartet. Sie hat vor ein paar Tagen ein Buch bestellt. Gestern noch hätte sie sich riesig über einen signierten Roman ihrer Lieblingsautorin gefreut.

Wieder im Schlafzimmer angekommen sehe ich, dass sie eingeschlafen ist. Ich ziehe ihr wenigstens die Schuhe und Cordhose aus, bevor ich mich dazulege, doch ich bekomme kein Auge zu. Wirre Gedanken kreisen in meinem Kopf. Miriam schläft wie ein Murmeltier. Vielleicht hilft ihr die Ruhe und ich dringe später zu ihr durch.
Um sieben erklingt Musik aus dem Radiowecker. Zeit zum Aufstehen wenn wir pünktlich im Krankenhaus sein wollen. Zärtlich streiche ich ihr über die Wangen und gebe ihr einen Kuss.
»Guten Morgen, mein Engel«, flüstere ich ihr ins Ohr. Miriam öffnet ihre Augen und schaut mich mit einem Lächeln an.
»Hallo geliebter Mann, was ist das für ein Wahnsinn. Denkst Du wirklich, das mit uns hat eine Zukunft, mit mir im Rollstuhl?«
»Das ist die Übelste aller Prognosen. Noch wissen wir nicht genau, wie es weitergeht, aber was ist das für eine Frage? Ich käme niemals auf die Idee, dass diese Sache etwas an meinen Gefühlen ändern könnte. Ich liebe Dich wie am ersten Tag. Komm, wir machen uns bereit für die Untersuchung. Dann erfahren wir mehr, ich bleibe für immer Dein angetrauter Ehemann, in guten wie in schlechten Zeiten, haben wir uns versprochen.«

Der Wickinger

Das Augenlid zuckte ein wenig. Es fällt mir schwer, die Augen zu öffnen.
»Habe ich eben von Jane geträumt?«
Bei dem Gedanken an sie bereitet sich ein Lächeln der Zufriedenheit den Weg auf mein Gesicht. Den Schulstress hatte ich überstanden. Abi in der Tasche.
In der Glotze läuft eine TV-Serie. Kommissare ermitteln im Rotlichtviertel.
Langsam schlummere ich wieder ein. Die Nebel des Traums erobern die Gedankenwelt.
Der Sturm tobte. Mühsam versuche ich, das Boot auf Kurs zur Landzunge zu halten.
»Legt euch in die Riemen. Gleich sind wir da!« Uns Wikingern kann dieses Wetter nichts anhaben. Mit dem Hammer klopfte ich auf der Trommel den Takt für die tapferen Gefährten. »Gebt noch einmal alles, es ist bald geschafft!«
Es zieht dichter Nebel auf. Ein Blitz schlägt neben uns ins Meer. Der Donner direkt danach lässt meine Ohren schmerzen. »Oh, Thor, habe ein Einsehen. Bring uns heile zum Strand.«
Das Grau verschwindet. Nur einige Meter vor uns zeigt sich die Küste. Die Ruderblätter fallen, das Jauchzen und Schluchzen der Mitstreiter ist nicht zu überhören.
»Land, endlich Land!« Sie stürmen den Hang hinauf.
Ich folge ihnen. Der Anblick ist faszinierend. Vor uns liegt eine Stadt. Die Stille deckt alles zu. Menschenleer, kein Tier, ist zu sehen. Eine Geisterstadt.
Vorsichtig betreten wir die Hauptstraße. Vor einer Tür mit der Aufschrift »Saloon« bleiben wir stehen. Da ist Lärm zu hören. Es scheint wer da zu sein.
Ein Blick zu meinen Gefährten. Sie nicken mir zu, fassen ihre Waffen fester.
Wir treten durch die Schwingtür. Erstaunt betrachten wir das Szenario. Seltsam gekleidete Figuren mit durchsichtigen Bechern in den Händen. Darin eine braune Flüssigkeit. Sie trinken aus und geben der Frau hinter der Kiste die Trinkgefäße.
In einer Nische im Hintergrund sind einige Mädchen mit eigenartigen Kleidern zu sehen.
»He, Bardame, noch eine Runde für alle. So schnell kommen wir hier im Wilden Westen nicht mehr zusammen.« Einer der Männer brüllt das der bezaubernden Person zu.
Mein Blick wandert zu der Dame. Die kenne ich doch? Das Herz beginnt, in der Brust zu wummern.

Pfui, warum ist es so kalt und nass?
Ich schaue in ein Paar blaue Augen. Jane steht vor dem Sofa. Sie lächelt mich an. Sie hält einen tropfenden Waschlappen in die Höhe. »Du hast wohl schlecht geträumt.
»Ja, ein irrer Traum. Ich ein Wikinger mit Gefährten gestrandet im Wilden Westen. Im Saloon Cowboys mit Colts an den Hüften. Die Bardame hinter dem Tresen hatte dein Gesicht. Ich wollte zu ihr, da wurde es nass.«
»Gerade noch rechtzeitig.« Sie streicht mir sanft über die Wange. »Fremdgehen mit einer Traumfrau geht gar nicht.«
Ich setze zu einer Antwort an.
Sie stippt mir mit dem Zeigefinger auf die Nase. »Für dich ist jetzt Sendeschluss, mein Prinz auf der Erbse.« Sie zielt mit dem Finger auf mich, hebt ihn vor den Mund und pustet darüber. »I shot the sherif. Ach nein, den Wikinger. Komm mit ins Schlafzimmer. Wir haben noch was vor.« Sie zwinkert mir zu und verschwindet schleichend aus dem Raum.